Warum lieben wir?

Die Liebe zu einem anderen Menschen ist ein seltsames und schwer zu fassendes Gefühl. Es kann zu mentalen Höhenflügen und größter Freude führen, uns aber auch in seelische Abgründe reißen. Jemanden zu lieben bedeutet, ihm emotional verbunden zu sein. In einem günstigen Fall wird dieses Gefühl der Verbundenheit erwidert.

In einer weniger günstigen Konstellation bleibt die Erwiderung aus. Zu lieben kann bedeuten, dass man den Sinn seines Lebens gefunden hat. Nicht geliebt zu werden heißt für viele, dass sie eben diesen gar nicht erst gefunden oder verloren haben. Liebe ist in unserem Leben ein ebenso ambivalentes wie zentrales Thema. Aber warum ist das so?

warum wir lieben

Alles nur Chemie und Biologie?

Die meisten Vorgänge in unserem Körper lassen sich naturwissenschaftlich begründen. Und auch bei der Liebe sind viele Aktionen und vor allem Reaktionen dadurch erklärbar. Die Natur hat uns das Verlangen mitgegeben, uns zu reproduzieren. Vor allem unser Hormonhaushalt spielt hier eine führende Rolle. Er ist der Schlüssel zu unserer Sexualität und zu unserer Fähigkeit, erotische Begehrlichkeit zu empfinden.

Sexualität ist zwischen Partnern ein wichtiger Bestandteil der Liebe. Doch Sex funktioniert auch ohne Liebe – und umgekehrt! Vor allem sehr junge Menschen verstehen unter Liebe und Sexualität oft mehr oder weniger das Gleiche. Dies führt dann zu Missverständnissen, die nur zu häufig darin münden, dass das Verhältnis nicht lange bestehen bleibt.

Anders als Sexualität ist die Liebe eben nicht gut rein naturwissenschaftlich erklärbar. Aber worum handelt es sich dann eigentlich und warum können wir lieben?

Liebe in der Antike

Platon lässt in seinem Dialog Symposion den Komödiendichter Aristophanes den Mythos von den Kugelmenschen erzählen. Diesem Mythos zufolge hatten die Menschen ursprünglich vier Arme, vier Beine und einen Kopf mit zwei Gesichtern. Zur Strafe für ein Vergehen zerlegte Zeus die Kugelmenschen in zwei Hälften. Diese Hälften sind die heutigen Menschen. Sie leiden unter ihrer Unvollständigkeit; jeder sucht die verlorene andere Hälfte. Die Sehnsucht nach der einstigen Ganzheit zeigt sich in Gestalt des erotischen Begehrens, das auf Vereinigung abzielt. 

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Seelenverwandtschaft

Liebe ist nicht an die Art der Beziehung gebunden

Dass Liebe und Sexualität getrennt voneinander betrachtet werden müssen, wird vor allem dann deutlich, wenn man sich weniger auf die Liebe zwischen Partnern konzentriert.
Man stelle sich folgende Situation vor: Ein Vater oder eine Mutter hält das gerade geborene Kind im Arm. Obwohl es noch gar keine Gelegenheit gab, sich von Angesicht zu Angesicht kennenzulernen, wissen die Eltern doch ganz genau, dass sie dieses kleine Wesen – ihr Kind – immer lieben werden, komme, was da wolle.

Möglicherweise ist Liebe hier sogar besonders deutlich erfahrbar. Denn in diesem Moment ist sie besonders rein, durchdringend und überwältigend.
Ein anderes Beispiel: Man sitzt mit seinem besten Freund beim Rotwein zusammen und redet. Man weiß, dass man diesem Menschen vertrauen und dass man einfach über alles mit ihm sprechen kann. Man empfindet eine Seelenverwandtschaft und liebt diesen Menschen einfach. Auch in diesem Fall hat Liebe nichts mit Begehren zu tun. Vertrautheit, Beständigkeit und Treue sind hier wichtig, aber eben auch das ausgeprägte Einanderverstehen.

Doch Liebe empfindet man auch gegenüber seinen Geschwistern, Eltern und Großeltern. Manch einer empfindet Liebe zu Gott und es gab Zeiten, in denen es hierzulande üblich war, sein Vaterland zu lieben.

Dann gäbe es da noch die „echte Liebe“, mit der ein großer Fußballverein für sich wirbt. Und immer dann, wenn man etwas besonders gerne mag, sagt man, man würde es lieben. Das reicht vom eigenen Auto, bestimmten Urlaubszielen und dem eigenen Hobby über seinen Beruf bis hin zu allen möglichen Speisen und Getränken. Allerdings wird der Begriff „Liebe“ hier auch reichlich inflationär zum Tragen gebracht.

Why do we love? Constantly Curious

Why do we love?

Why do we love? Here are five philosophical perspectives:

Posted by Constantly Curious on Montag, 28. August 2017

Eigentlich ganz einfach

Wenn uns jemand reich beschenkt und sich als großzügig erweist, sind wir dankbar, lieben denjenigen aber nicht zwangsläufig. Ist jemand besonders schön oder besonders klug, dann bewundern oder respektieren wir ihn dafür, mehr aber nicht unbedingt. Inspiriert uns jemand oder finden wir jemanden begehrenswert, so führt auch das nicht zwangsläufig zu Liebe.

Nein, wenn wir jemanden lieben, dann nicht, weil er bestimmte Dinge denkt, sagt oder tut, sondern einfach, weil es ihn gibt. Es gibt keine Bedingungen, die erfüllt und auch keine Fragen, die beantwortet werden müssen. Es muss einem noch nicht einmal alles an diesem Menschen gefallen. Manches mag an ihm veränderungswürdig sein. Doch trotzdem liebt man ihn so, wie er ist. So einfach ist das – und manchmal dann doch ziemlich schwer.

Warum lieben wir?

So sehr sich die Wissenschaft auch bemüht, so findet sie doch auch nicht auf alles eine Antwort. Und vielleicht sind wir auch gut beraten, nicht jedes Geheimnis zu lüften, von dem wir umgeben sind. Denn zu all dem Schönen, was an Gefühl, Empfindung, Stimmung sowie an Tun und Denken zur Liebe gehört, gesellt sich ja auch immer das wohltuende Mysterium, dass man eigentlich gar nicht so richtig begreift, was da mit einem los ist. Wichtig ist nur eines: Liebe, die erwidert wird, macht glücklich!

Möglicherweise ist die Liebe von daher am besten im Bereich des Spirituellen aufgehoben. Es ist der Blick in das Herz und die Seele eines anderen Menschen, der uns lieben lässt – oder auch nicht. Mit Wissenschaft kommt man hier nicht weit.
Letztlich ist Liebe etwas, das zu erleben man jedem Menschen nur wünschen kann. Und jeder, dem das Schicksal es gönnt, zu lieben und geliebt zu werden, der halte sich nicht lange mit der Frage nach dem Warum auf!

Photo by Bart LaRue on Unsplash
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